5 Bannewitzer Schachspieler erobern Marienbad

Was haben Antonín Dvořák, Sigmund Freud, Zar Nikolaus II. und Mark Twain gemeinsam?
Sie alle waren Kurgäste in Marienbad.
In dieses Städtchen im äußersten Westen Tschechiens gelegen, führt uns der heutige Bericht.
Anlass unserer Reise war jedoch kein Kuraufenthalt, sondern, wie kann es für Schachspieler anders sein, ein Schachturnier.
150 Spieler aus 17 Ländern trafen sich zum „Marienbad-Open“, dass bereits zum elften Mal ausgetragen wurde. Aus dem Fakt, dass das Turnier für Spieler aller Leistungsklassen offen ist, leitet sich der Name „Open“ ab.
Immerhin hatten sich fünf Spieler der 1. Bannewitzer Schachmannschaft, die diese Saison in der höchsten Liga Sachsens im Punktspielbetrieb die Klingen kreuzt, zusammen gefunden, um in Marienbad Bannewitzer Schachflagge zu zeigen. Das war für ein Turnier in Böhmen neuer interner Vereinsrekord. Unser Spitzenbrett, Rainer Rösemann, wagte sich als Fidemeister gar ins parallel stattfindende IM-Turnier(IM steht für Internationaler Meister), um evtl. eine IM-Norm zu ergattern.
Unser Quartier befand sich eine knappe halbe Gehstunde vom Hotel Polonia, dem Turnieraustragungsort, entfernt. Da bis auf eine Ausnahme nur eine Partie je Tag gespielt wurde, gestaltete sich die Woche sehr erholsam. Das Wetter lud vor allem die ersten Tage mit Matschwetter wenig zu Spaziergängen und Ausflügen ein, also nutzten wir die Zeit zum Ausschlafen und zur Partievorbereitung. Gegen Wochenmitte sank die Quecksilbersäule unter 0°C, so dass nun stabiles Winterwetter Einzug hielt.
Für uns das Zeichen, uns wenigstens etwas in der Umgebung umzutun. Wir fuhren ins nahegelegene Prämonstratenserkloster Tepl, welchem Marienbad seine Gründung verdankt. Bereits im 12. Jahrhundert gegründet, erlebte das Kloster Höhen und Tiefen. Goethe überließ dem Kloster als Dank für Kuraufenthalte in seinen späten Jahren seine Gesteinssammlung. Drastisch war der Einschnitt während der Herrschaft der Kommunisten ab 1948. Nicht untypisch das Beispiel des Abts Hermann Josef Tyl, der 1943 von den Nationalsozialisten in Auschwitz und Buchenwald interniert wurde, sich nach dem Krieg für den Wiederaufbau einer neuen Glaubensgemeinde stark machte und 1948 in ein kommunistisches Konzentrationslager kam. Das Kloster wurde 1950 „gesäubert“ und der tschechischen Armee übergeben. Ab 1978 stand die Klosteranlage leer und verfiel. Auch heute noch ist der Sanierungsbedarf enorm, obwohl einzelne Gebäude bereits restauriert wurden.

Kloster Tepl
Auf dem Rückweg vom Kloster speisten wir im Bierkeller von Kuttenplan, der 40 Meter in den Granit getrieben wurde. Wahrzeichen des dort gebrauten Biers ist ein Hund, der der Überlieferung nach im Mittelalter eine sehr ausgiebige Quelle aufgespürt haben soll.
In Marienbad selbst befanden sich die bekannten Kolonnaden nur wenige hundert Meter von unserem Spiellokal entfernt. Der mutigere Teil von uns füllte vor Partiebeginn die Wasserflasche mit dem Mineralwasser, was aus vier verschiedenen Quellen im Pavillon der Kreuzquelle sprudelte. Als am bekömmlichsten stellte sich die Karolinenquelle heraus. Deren Mineralgehalt beträgt 1690mg/Liter. Den „gefährlichsten“ Eindruck hinterließ bei uns das Wasser der Kreuzquelle mit einem Mineralgehalt von 9600mg/Liter. Keiner von uns wagte es größere Mengen dieses Wassers am Schachbrett zu sich zu nehmen.

Kolonnaden
Da wir uns diesmal vor fast jeder Partie gut vorbereiteten, lief das Turnier für alle von uns ganz gut. Unser bester Mann, Peter Simon, spielte am letzten Tag sogar an Tisch 3. Leider verlor er gegen die russische Frauengroßmeisterin Irina Semenova. Sonst hätte es sogar zu einem Spitzenplatz gereicht.

Scahchspieler

Insgesamt platzierten wir uns aber alle 4 im ersten Drittel des Teilnehmerfeldes. Rainer hatte im IM-Turnier einen Superstart, verlor dann aber mehrere Partien in Folge, so dass es am Ende nichts mit der IM-Norm wurde.
Dem Autor dieser Zeilen gelang eine hübsche Partie gegen eine polnische Nachwuchsspielerin. Das Diagramm zeigt die Stellung vor dem letzten Zug von Schwarz.

Schachrätsel

Gerade hat Weiß den Springer auf das Eckfeld h1 gezogen, um das Matt auf f2 abzudecken. Wie konnte Schwarz jetzt den Karnickelfangschlag anbringen? Wer die Lösung kennt, schreibt sie an bbb-schach-raetsel@randspringer.de. Zu gewinnen gibt es eine Flasche Pilsner Urquell.

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Als klassischer Raubpirat segele ich seit 1402 auf den Weltmeeren der Erde. Ausgesetzt auf einer Nebeninsel von Sansibar gründete ich 1687 mit 3 Sklaven das Internet, welches damals noch mechanisch funktionierte, uns jedoch schon dereinst in kürzester Zeit sehr reich machte, so dass ich von 1688-1691 nicht piratisierte. Seit 1692 bis heute dann wieder aktiver Pirat und seit 1888 Verweigerer sozialer Netzwerke.

Über Pirat8

Als klassischer Raubpirat segele ich seit 1402 auf den Weltmeeren der Erde. Ausgesetzt auf einer Nebeninsel von Sansibar gründete ich 1687 mit 3 Sklaven das Internet, welches damals noch mechanisch funktionierte, uns jedoch schon dereinst in kürzester Zeit sehr reich machte, so dass ich von 1688-1691 nicht piratisierte. Seit 1692 bis heute dann wieder aktiver Pirat und seit 1888 Verweigerer sozialer Netzwerke.
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1 Response to 5 Bannewitzer Schachspieler erobern Marienbad

  1. Pirat8 sagt:

    Die Lösung lautet: Txh4

    Gewinner der Flasche Pilsner Urquell ist:

    Hans-Jörg Mai, Horkenstr. 21, 01728 Bannewitz

    Gratulation

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